Arealentwicklungen Stadtkaserne, Mätteli und Zeughausareal

Mit der Stadtkaserne, dem Oberen und dem Unteren Mätteli und dem Zeughausareal können in Frauenfeld demnächst sehr zentral gelegene und gut erschlossene Areale für bedarfsgerechte Nutzungen der Stadt entwickelt werden. Für die Stadt ist diese Entwicklung eine Chance, aber auch eine Verpflichtung. Es gilt, diese attraktiven Areale sinnvoll und nachhaltig zu nutzen.

Frauenfeld wünscht sich pulsierendes Leben in der Stadtkaserne
Die Stadtkaserne liegt an zentraler Lage und ist ein Herzstück der Stadt Frauenfeld. Nach rund 150-jähriger Nutzung durch das Militär kann sie die Stadt im Laufe der nächsten Jahre im Baurecht übernehmen - ein bedeutungsvoller Schritt für Stadt und Bevölkerung. Denn obwohl der Kopfbau und die Reithalle der Kaserne unter Bundesschutz stehen, sind auf dem Areal viele Nutzungen denkbar wie Wohnen, Arbeiten, Bildungs-, Freizeit-, Kultur- oder gastronomische Angebote. Zusammen mit dem benachbarten Oberen Mätteli, das die Bürgergemeinde als Besitzerin in den nächsten Jahren zentrumsgerecht entwickeln will, bietet die Kaserne an der Bahnhofstrasse eine bedeutende Chance für die Aufwertung der Stadt Frauenfeld.

Erster Planungsschritt abgeschlossen: Städtebaulicher Ideenwettbewerb

Basierend auf den Rückmeldungen aus der Bevölkerung (siehe roter Infokasten unten) erarbeitete die Stadt einen Katalog an erwünschten Nutzungen. Damit startete sie in einen mehrjährigen Planungsprozess. Ein erster Schritt wurde diesen Herbst abgeschlossen: Zwölf Planerteams bestehend aus Architekten und Landschaftsarchitekten, davon zwei Nachwuchsteams, wurden eingeladen, städtebauliche Ideen für die Areale Stadtkaserne und Oberes Mätteli zu erarbeiten. Ende September hat ein Preisgericht die Eingaben bewertet und drei Projekte gekürt. Die Resultate des Wettbewerbes können hier heruntergeladen werden (siehe blauer Infokasten rechts).

Am meisten überzeugt hat das Projekt «all day long» von PARK Architekten, Prof. Dr. P. Ursprung und Müller Illien Landschaftsarchitekten aus Zürich (siehe blauer Kasten rechts). Ihr Vorschlag verfolgt eine einfache, aber gut durchdachte Strategie: Das Kasernenareal wird integral erhalten und die weiten bestehenden Freiräume belassen. Kasernenplatz, Kasernenhof sowie Oberes Mätteli werden aufgewertet. Eine Reihe von drei prägnanten Gebäuden wird im Kontrast dazu auf der Geleiseseite der Bahnhofstrasse geplant. Damit sind an der bestehenden Substanz nur wenige Eingriffe notwendig und in der Folge auch geringere Investitionen. Das schafft Raum für niederschwellige Angebote, die erforderlich sind, um Areale dieser Grössenordnung innert vernünftiger Frist zu beleben. Diese Strategie überzeugt umso mehr, weil die Anlage über beachtliche städtebauliche und freiräumliche Qualitäten verfügt – sowie über eine schöne Patina, was man nicht mit Geld kaufen kann.

Gemäss dem Preisgericht ist eine wichtige Erkenntnis aus den eingereichten Projekten, dass die Struktur der Bestandsbauten das Nutzungsspektrum stark einschränkt. So sind Nutzungen wie Büros für die Verwaltung, ein Hotel oder Schulungsräume durchaus realisierbar. Ein modernes Museum ist jedoch im Kopfbau der Stadtkaserne nur bedingt umsetzbar.

Der nächste Schritt: Vertiefungsstudien

Die drei bestplatzierten Planerteams des Ideenwettbewerbs werden ihre Projekte nun in Form einer Vertiefungsstudie weiterentwickeln. Diese werden im Dialog mit verschiedenen Nutzergruppen auf ihre Tragfähigkeit und Nutzbarkeit hin überprüft. Im Sommer 2017 wird das Siegerprojekt auserkoren. Das Siegerteam darf zudem sein Projekt «all day long» für die P+R Halle in Zusammenarbeit mit einem Investor zu einem Bauprojekt weiterentwickeln.

Das Areal der P+R Halle wird nicht mehr Bestandteil des zu bearbeitenden Perimeters sein. Es wird in einem separaten Verfahren mit einem Investor zu einem Bauprojekt weiterentwickelt. Das Preisgericht hat hierfür das bestrangierte Team empfohlen. Das Obere Mätteli, das im Besitz der Bürgergemeinde ist, ist nur bis zu einem gewissen Schritt Teil des beschriebenen Planungsverfahrens. Dieses Areal ist Bestandteil des Gestaltungsplanverfahrens. Innerhalb der Gestaltungsplanvorschriften kann unabhängig ein Bauvorhaben projektiert und realisiert werden.

Baubeginn frühestens im Jahr 2021

Mit der Erarbeitung des Bauprojektes kann voraussichtlich ab Mitte 2020 gerechnet werden. Bevor das Bauprojekt ausgearbeitet werden kann, sind baurechtliche, ortsplanerische und politische Hürden zu meistern, wobei jeweils zahlreiche Akteure involviert sind. Der Baubeginn kann frühestens im Jahr 2021 erwartet werden, sofern die Bevölkerung dem definitiven Projekt per Volksabstimmung grünes Licht gibt. Die Bevölkerung wird kontinuierlich via Medien und www.stadtentwicklung-frauenfeld.ch über den Lauf der Planungen informiert.

Nutzungsabklärung Ende 2015: Fokusveranstaltung und schriftliche Befragung der Bevölkerung
Auf der Suche nach Ideen für eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung des Areals, klärte die Stadt die Nutzungswünsche der Bevölkerung ab. Ende November 2015 fand eine öffentliche Diskussionsveranstaltung über die Zukunft des Areals Stadtkaserne statt (siehe Kasten rechts). Das Interesse war gross: Rund 110 Frauenfelderinnen und Frauenfelder aus allen Alterssegmenten haben engagiert teilgenommen und im Anschluss einen Fragebogen ausgefüllt. 80 Personen haben zudem die Möglichkeit genutzt, per Post oder E-Mail ihre Ideen einzubringen. Die Resultate der Diskussionen und der Befragung geben der Stadt die Richtung für die weiteren Planungen vor.

Deutlich zum Ausdruck kam, dass sich die Stadt Frauenfeld unbedingt für eine attraktive Arealentwicklung einsetzen soll. Die Stadtkaserne soll gemäss der grossen Mehrheit der Rückmeldungen zu einem öffentlich zugänglichen, pulsierenden Ort werden. Gewünscht wird ein vielfältiges, aber wirtschaftlich tragbares Angebot für unterschiedliche Zielgruppen wie Vereine, Gewerbe, Kreative, Familien und Jugendliche. Am meisten Stimmen erhielten Nutzungen aus dem Bereich Kultur und Bildung. Darunter fallen insbesondere Studios/Proberäume, Ausstellun-gen/Museum, Konzerte und Ateliers. Nur knapp weniger genannt wurden aber auch Nutzungen in den Bereichen Erholung und Begegnung: Gemeinschaftszentrum, soziale Nutzungen, Jugendtreff, Grünraum oder Fitness/Yoga, gefolgt von Gastronomie und Hotellerie. Wohnnutzungen stehen zuunterst auf der Prioritätenliste. Viele der Diskussionsteilnehmenden befürchten Konfliktpotenzial angesichts der gewünschten kulturellen Nutzung.

Einig war sich die Mehrheit darin, dass das Areal in Zukunft auch zu einem attraktiven Verbindungselement zwischen dem Naherholungsgebiet an der Murg und der Vorstadt respektive der Altstadt werden soll.

 Bericht zur Fokusveranstaltung und schriftlichen Befragung  [PDF, 3.00 MB]

Kasernenhof und Oberes Mätteli als Veranstaltungsorte
Der Kasernenhof soll gemäss der Mehrheit der Rückmeldungen öffentlich zugänglich sein. Häufig wurde der Wunsch nach einer Freiluftbühne geäussert – für verschiedene Veranstaltungen wie Konzerte, Märkte oder Theater – und die Gestaltung des Hofes als Begegnungsort mit viel Grün, einem Café oder einem Restaurant.
Ein klares Bild zeichnen die Rückmeldungen auch für das Areal Oberes Mätteli: Dort wünscht sich die grosse Mehrheit Parkplätze – viele sprechen sich konkret für eine Tiefgarage aus – und viel Freiraum für Grossveranstaltungen wie Märkte, Chilbi, Zirkus oder Sportanlässe.